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STRASSENBAHNMUSEUMSKJOLDENÆSHOLM
19. September 2002
Überraschender Fund eines alten KS-Bus

An einem Tag Anfang Juli erhielten wir die Nachricht darüber, dass in einem Sommerhaus in Hornbæk ein alter Eisenbahn- oder Straßenbahnwagen eingebaut sein sollte. Der Eigentümer wollte das vorhandene Gebäude vollständig entfernen, um eine ganz neues Sommerhaus zu bauen, aber zuvor wollte er eventuelle Eisenbahn- oder Straßenbahn-Interessierte darüber informiern. Erstaunlicherweise erwies sich er sich als weder Eisenbahn- noch Straßenbahnwagen - sondern ein alter Bus der Københavns Sporveje (KS) von 1929!

Nach einer Besichtigung war klar, dass es sich um Bus 37 der KS handelte und dieser in überraschend gutem Zustand war, auch wenn er selbstverständlich als Sommerhaus an verschiedenen Stellen angepasst wurde.

Natürlich fehlen viele Teile, z.B. Achsen, Räder, die meisten Sitze, Fahrerplatz usw. Der Wagenkasten war von außen mit Brettern verkleidet und auf dem Wagendach war ein zusätzliches mit Dachpappe gedecktes Dach. Damit ist der hölzerne Wagenkasten rundum geschützt gewesen und gut erhalten.

Selbst der Motor lag in einer Schuppenecke nur etwa 20 Meter vom Sommerhaus entfernt - und es war noch Motoröl drin! Im Anbau fanden sich noch einige originale Fensterrahmen, eine Tür und verschiedene andere Sachen, die zum Bus gehörten. Teilweise vergraben im Schuppen war dann auch noch der Rahmen vom Fahrerplatz.

Der vorherige Eigner hat alles aufbewahrt und dafür sind wir sehr dankbar. Aber die Achsen und Räder waren leider nirgends zu finden!

Der Bus hat eine Triangel Karosserie, einen Continental Motor und einen in der Hauptwerkstatt der Københavns Sporveje nach der Scandia Zeichnung A 77 gefertigten Aufbau. Scandia hatte im letzten Quartal 1927 11 neue Busse an KS mit praktisch gleichem Wagenkasten geliefert, wobei 8 der Wagen (Nr. 20-27) Triangel 'C' Busse waren und 3 (Nr. 28-30) waren Renault 'D'.

Der größte Unterschied ist, dass die Triangel-Busse eine flache Front haben, während bei Renault diese geneigt ist. Die Busse wurden geliefert, als KS einzige Omnibuslinie (Linie 11) verlängert wurde, so dass nun immer abwechselnd ein Wagen von Frihedsstøtten nach Frederiksberg Runddel und einer nach Kingosgade geführt wurde. Die neuen Busse ergänzten die 7 alten De Dion-Bouton Busse von 1913 und 7 Triangel 'B' Busse (Nr. 13-19) von 1926.

Als die Buslinie im Mai 1929 auch am anderen Endpunkt von Kgs. Nytorv bis Østbanegården (Østerport) verlängert wurde und man außerdem die letzten alten De Dion-Bouton Busse ausmustern wollte, gab es Bedarf für weitere Busse. Man bestellte 3 weitere Busse von Renault (Nr. 31-33) und 4 von Triangel (Nr. 34-37). Die Busse sind im Dezember 1929 und Januar 1930 in Betrieb gegangen und gleichzeitig wurden die letzten De Dion-Bouton Busse ausgemustert.

Bereits in der Fahrplanperiode 1938/39 wurden alle übriggebliebene Triangel-Busse ausgemustert (13, 14, 16, 17, 19, 20-27 und 34-37), während man die Renault-Busse behielt. Die zwei zuletztgelieferten Busse 36 und 37 behielt man jedoch als Fahrschulwagen und somit blieben sie bis 1950/51 erhalten.

Nach den uns vorliegenden Unterlagen wurde der Bus Nr. 37 im Frühjahr 1951 von Ingenieur Bagger erworben, der Abnahmebeamter in Kopenhagen war. Dieser hatte gerade ein Sommerhausgrundstück in Hornbæk neu erworben.

Von der Helsingør Kommune haben wir eine Kopie der Baugenehmigung vom 6. April 1951 mit beigefügten Skizzen erhalten, die ganz klar aussagen, dass es sich um einen alten KS Bus handelt, der als Sommerhaus eingerichtet werden soll.

Wir vermuten wegen des Fundes des Motors, dass der Wagen aus eigener Kraft bis nach Hornbæk fuhr, anderseits kann es auch sein, dass es nur der Wagenkasten war, der nach Hornbæk transportiert wurde und dort aufgestellt wurde, wonach der Motor ausgebaut wurde, denn von den Achsen und Rädern war nichts zu finden.

Dort wo früher der Motor und das Führerhaus war, entstand nun die Küche und vor der Mitteltür entstand ein Anbau, der laut Baugenehmigung ursprünglich nur eine offene Veranda war.

Selbst wenn noch viel Arbeit - und eine Menge Geld - benötigt wird, um KS 37 wieder in den früheren Zustand zu versetzen, gab es bei uns doch keinen Zweifel, dass wir den Bus retten sollten, und wir sind dem letzten Eigentümer sehr dankbar, dass er sich an uns wandte, anstatt einfach das alte 'Gebäude' abzureissen.

Nach einem großen Einsatz von etlichen Mitarbeitern des Museums war der Bus am 5. August von seinem schützenden Holzdach befreit und noch am selben Abend nach Skjoldenæsholm transportiert, wo er nun ganz vorne auf Gleis 15 in der Valby Remise ausgestellt wird.

Dies ist das erste Mal, dass wir überhaupt davon hören, dass einer der alten Busse der KS zum Sommerhaus umgebaut wurde. Im Gegensatz dazu ist die Anwendung von ausgemusterten Straßenbahnen weit verbreitet gewesen und sogar im Film 'Ved Kongelunden' mit Dirch Passer und Ove Sprogøe festgehalten.

Es gibt derzeit keine konkreten Pläne oder zeitliche Perspektiven für eine eventuelle Instandsetzung, zunächst sollte der Bus gerettet werden, aber wenn es jemanden gibt, der uns mit der Beschaffung der fehlende Teile helfen kann - insbesondere Achsen und Räder eines passenden Typs - ja, darüber würden wir uns schon freuen.